Seit einiger Zeit träume ich,
einen Menschen getötet, also ermordet zu haben.
Einen Bekannten, ganz ohne Grund. Seine Leiche verscharrte ich,
was mir im Traum schon seltsam war, im Keller. Ich lebte jahrelang
unentdeckt, beteiligte mich intensiv an den Vermutungen,
was wohl mit dem Bekannten geschehen sei, der Frau und Kinder
einfach so im Stich ließ. Im Traum rührte mich das nicht. Bedrängend, und zwar
so sehr, dass ich mich zum Aufwachen zwang, war das Gefühl, eine Leiche im Keller
zu haben. Keine Schuld, keine Reue, sondern eher die Last, mit niemandem darüber reden
zu können. Schon im Traum (die bei mir oft luzide sind) dachte ich an Raskolnikoff.
Das Merkwürdige und durchaus Belastende ist, dass ich mir, wenn ich müde
oder gestresst bin, nicht mehr ganz sicher bin, ob es nur ein Traum ist. Das verändert mich.
Dienstag, 19. Dezember 2017
Karweihnacht
Nägel
in der krippe
mehr als die Windel
am kreuz
fleisch.
in der krippe
mehr als die Windel
am kreuz
fleisch.
Montag, 18. Dezember 2017
Betthupferl
Warte, warte noch ein zeilchen
auf ein wörtlein klein.
Mit dem schicken versefeilchen
raspel ich ‘nen falschen reim.
Vor dem schlafen sollst du dichten
wenn schon sonst nichts schönes geht,
weil die alten knochen gichten
und der sinn nach schlafen steht
Kannst du keine lyrik machen
sei nicht allzusehr verzagt
man kann sich auch ein leben machen
das sich gut in prosa plagt.
Ist dein Leben ein Roman
Oder gar ein dramastück
Halte fest mit worten dran
Nicht jeder schenkt sich so ein glück!
Doch halte dich von Buben fern
die nur das Sachbuch lieben.
Die haben zwar das leben gern
aber nie was drob geschrieben.
Auch die wunderschönen frauen
hübschgemacht von kundger hand
sind wohl poetisch anzuschauen
aber bitte: alles tand.
Hab dir nun die zeit vertrieben
Mit der schönen verserei
hab das nur für dich geschrieben
dass dein leben schöner sei.
Schenk mir nur noch ein sekündchen
lies auch diesen letzten vers
lächle über reimesündchen
Und dann schlaf schön.
auf ein wörtlein klein.
Mit dem schicken versefeilchen
raspel ich ‘nen falschen reim.
Vor dem schlafen sollst du dichten
wenn schon sonst nichts schönes geht,
weil die alten knochen gichten
und der sinn nach schlafen steht
Kannst du keine lyrik machen
sei nicht allzusehr verzagt
man kann sich auch ein leben machen
das sich gut in prosa plagt.
Ist dein Leben ein Roman
Oder gar ein dramastück
Halte fest mit worten dran
Nicht jeder schenkt sich so ein glück!
Doch halte dich von Buben fern
die nur das Sachbuch lieben.
Die haben zwar das leben gern
aber nie was drob geschrieben.
Auch die wunderschönen frauen
hübschgemacht von kundger hand
sind wohl poetisch anzuschauen
aber bitte: alles tand.
Hab dir nun die zeit vertrieben
Mit der schönen verserei
hab das nur für dich geschrieben
dass dein leben schöner sei.
Schenk mir nur noch ein sekündchen
lies auch diesen letzten vers
lächle über reimesündchen
Und dann schlaf schön.
Sonntag, 17. Dezember 2017
Advent ohne Lukas und Matthäus.
Die Weisen haben sich verlaufen.
Zuviel glühwein.
Die Hirten sind gar nicht erst los:
Kein Netz in Bethlehem.
Die Engel hocken darum vor dem Fernseher
Downtown Abbey wird wiederholt
im Free TV.
Herodes ist in dubai:
Einfach die schöneren Strände.
Und Joseph singt leise
von der bright side of live.
Maria aber bewegte
trotzdem alles in ihrem Herzen.
Die Finsternis hat’s nicht ergriffen.
Zuviel glühwein.
Die Hirten sind gar nicht erst los:
Kein Netz in Bethlehem.
Die Engel hocken darum vor dem Fernseher
Downtown Abbey wird wiederholt
im Free TV.
Herodes ist in dubai:
Einfach die schöneren Strände.
Und Joseph singt leise
von der bright side of live.
Maria aber bewegte
trotzdem alles in ihrem Herzen.
Die Finsternis hat’s nicht ergriffen.
Versuch über Dummheiten
Die Dummheit der Dummen ist
sich für schlau zu halten
und die Schläue der anderen
für Dummheit.
Die Schläue der Schlauen ist
mit der eigenen Dummheit zu rechnen
die Dummheit der anderen zu achten
weil sie schlauer sein könnte,
als die Schlauen meinen,
selbst wenn sie dümmer ist,
als die Dummen meinen.
Die Dummheit der Schlauen ist,
sich für schlau zu halten,
ohne von der Dummheit der Dummen
gewarnt zu sein.
Mit einem Wort:
Dumme sind zufrieden,
Schlaue höchstens glücklich.
Dabei gibt es ein Problem:
Ein Schlauer kann sich dumm stellen.
Eine Dumme aber kann Schlauheit
nur imitieren, aber auf Dumme wirkt
die Imitation oft schlau,
weil sie stereotyp ist.
Der gesamte Diskurs ist mithin dumm,
weil es keine Schlaue geben kann,
die ihn beobachtet.
Das ist dumm.
Es stellt sich mir die
- unter Umständen recht dumme - Frage,
wie man diesen Diskurs nicht-diskriminierend führe kann.
Das müssen wir aber,
weil in der komplexen und vernetzten Welt
politische Dummheit fatalste Folgen hat:
Dummheit nimmt sich (selbstverstärkend) als Mehrheitsphänomen wahr
und klagt daraus Machtansprüche ein.
Wie kommuniziert man erfolgreich,
dass eine Entscheidung töricht ist,
weil schon ihre strukturellen und faktischen
Prämissen töricht sind?
Und, ganz schlicht, ab wann muss man
auf die strukturelle Gewalt,
die von organisierter Dummheit ausgeht,
mit Gewalt antworten?
Und wäre das wirklich schlau?
sich für schlau zu halten
und die Schläue der anderen
für Dummheit.
Die Schläue der Schlauen ist
mit der eigenen Dummheit zu rechnen
die Dummheit der anderen zu achten
weil sie schlauer sein könnte,
als die Schlauen meinen,
selbst wenn sie dümmer ist,
als die Dummen meinen.
Die Dummheit der Schlauen ist,
sich für schlau zu halten,
ohne von der Dummheit der Dummen
gewarnt zu sein.
Mit einem Wort:
Dumme sind zufrieden,
Schlaue höchstens glücklich.
Dabei gibt es ein Problem:
Ein Schlauer kann sich dumm stellen.
Eine Dumme aber kann Schlauheit
nur imitieren, aber auf Dumme wirkt
die Imitation oft schlau,
weil sie stereotyp ist.
Der gesamte Diskurs ist mithin dumm,
weil es keine Schlaue geben kann,
die ihn beobachtet.
Das ist dumm.
Es stellt sich mir die
- unter Umständen recht dumme - Frage,
wie man diesen Diskurs nicht-diskriminierend führe kann.
Das müssen wir aber,
weil in der komplexen und vernetzten Welt
politische Dummheit fatalste Folgen hat:
Dummheit nimmt sich (selbstverstärkend) als Mehrheitsphänomen wahr
und klagt daraus Machtansprüche ein.
Wie kommuniziert man erfolgreich,
dass eine Entscheidung töricht ist,
weil schon ihre strukturellen und faktischen
Prämissen töricht sind?
Und, ganz schlicht, ab wann muss man
auf die strukturelle Gewalt,
die von organisierter Dummheit ausgeht,
mit Gewalt antworten?
Und wäre das wirklich schlau?
Samstag, 16. Dezember 2017
Advent II
Bald werden länger
lichtphasen tage
haut lacht auf laut
haare fiebern
alles leuchten
ist gott
besser als tod
permanentgeburt im
innenstall ungetroster blicke
hirntraum in hypophysengrippe
serontoninsegen der verfleischung
und dazu
niedlich geschnitzt
hirtengesocks
ochsenschwanz
eselsohren
unnütze preisgaben
von ferner morgiger ferne
sternengeschenke
kommt so niedrig nieder
niederkunft inmitten
selbsterhöhter
höhenselbste
wenn’s gut läuft
ein lächeln
fürs gekreuzigte licht
advent
das kommen
des gehenden
der bleibt.
lichtphasen tage
haut lacht auf laut
haare fiebern
alles leuchten
ist gott
besser als tod
permanentgeburt im
innenstall ungetroster blicke
hirntraum in hypophysengrippe
serontoninsegen der verfleischung
und dazu
niedlich geschnitzt
hirtengesocks
ochsenschwanz
eselsohren
unnütze preisgaben
von ferner morgiger ferne
sternengeschenke
kommt so niedrig nieder
niederkunft inmitten
selbsterhöhter
höhenselbste
wenn’s gut läuft
ein lächeln
fürs gekreuzigte licht
advent
das kommen
des gehenden
der bleibt.
Freitag, 15. Dezember 2017
Jerusalem
Jerusalem
hochgebaute, hochgebauschte
was wahn ist
ist in dir
und was erlösung ist
auch ziel der völker des alten kreises
adamsgrabstatt blutmeer
wohnstätte des nichtwohners
was bleibt vom apfel
zank der evaskinder
abrahamsenkel
fern vom himmel bloß
himmelszeichensteine.
Für steine töten
seit je das handwerk
der frommen
toren.
hochgebaute, hochgebauschte
was wahn ist
ist in dir
und was erlösung ist
auch ziel der völker des alten kreises
adamsgrabstatt blutmeer
wohnstätte des nichtwohners
was bleibt vom apfel
zank der evaskinder
abrahamsenkel
fern vom himmel bloß
himmelszeichensteine.
Für steine töten
seit je das handwerk
der frommen
toren.