Sonntag, 10. Dezember 2017

heute


 
Heute wären es wohl
Banker und Forscher,
die etwas gelesen haben
von einem neuen Trend
in Sachen Gott:

Sie würden sich ebenso täuschen
wie damals die Klugen
mit ihren Sternen und Büchern.
Sie liefen auch
in den falschen Palast.
Weil der Palast schon falsch war.

Heute wären es wohl
Zeitarbeiter oder
moderne Tagelöhner (sagen wir mal:
Packerinnen und Packer)
denen gesagt würde:
Die Zeit der Gerechtigkeit
bricht heute an.

Sie würden ebenso laufen
wie damals die Hirten.
und wären erstaunt
eine Familie zu sehen:
auf der Flucht.

Heute wären es wohl
wir
die es auch nicht
verstünden,
was die Engel uns sagen.

Doch tief berührt
gingen sie alle
nach Hause.


Weihnachtliche Fragen





Auf Heu und auf Stroh.
Du fragst Dich: Warum?
Wieso nicht in Seide und Samt?

Im Stall unter Tieren.
Du fragst dich: Warum?
Wieso nicht vor Dienern und Sklaven?

In fremden Gefilden.
Du fragst dich: Warum?
Wieso nicht im Zentrum der Macht?

Als schutzloser Säugling.
Du fragst dich: Warum?
Wieso nicht als machtvoller Held?


Weil Gott es so wollte.
Als Mensch unter Menschen
Dem Menschen ein Mensch.

Winter




Die alte Eiche weiß nichts von Erlösung:
Sie steht kahl in der Kälte.
Auch die frostharten Felsen
singen kein Gloria.

Der Schnee fällt, weil er fällt.
Eisiger Wind faucht keine Hymnen.
Die Blätter wehen in absichtslosen Kreiseln,
sie haben keine Meinung.

Das Eis glitzert auf der Straße,
sein Funkeln ist bloß Licht.
Die Katze miaut
nach Futter und Milch.

Das bange Herz aber
fürchtet die Kälte.
Für alle Stummen
ruft es nach Gott.