Sonntag, 10. Dezember 2017

Pfarrhauslyrik á la Mörike



Der Frühling hat ein graues Band
um sein Herz geschlungen
Schleier liegen überm Land
Vögel haben ausgesungen

Regen fällt in dünnem Streif
macht die Wiesen grüner
Kospen sind zum Platzen reif
Der Krokus wird schon kühner

Frühlingskitsch wie dieser hier
meldet sich im Hirne
drum tipp ich mit dem Finger mir
ganz heftig an die Stirne

Frühlingsgefühle

die gefallenen blätter
bilden längst stinkende,
schmierige klumpen
auf glitschigem Grund
wo schnee war
eklige Ränder
das neue
ist auch
nur das
künftige
alte.
natur ist eine
zumutung
ewige Verdauung.

Gartengedichte

Das Gras knistert grün
Frühsommerfrühlingssonne
Mähergebrumme


Glasklare Dünste
trübe Morgensonne kämpft
Lichtverheißungen

Margeritenkraut
Der Mäher umfährt sie zart
kommender Blütenrausch

Nerviges Dröhnen
Frühlingsfliege am Fenster
darf weiterleben

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Im Frühling schon den
Schmerz des Winters spüren:
wahre Trauerkunst.
Die aufgehende Sonne ist eben
die anderswo
untergegangene.
 
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Rasenmäherpösje

Die Sonne sticht
der Mäher brummt:
im grellen Licht
der Rasen klumpt

Der Tropfen rinnt
am Rücken runter
und trotzdem findt
ich mich ganz munter

Das grüne Kraut
wird abrasiert
die helle Stirn
ist schweißverschmiert.

Urlaubsennui

Im leeren Hirn
toben keine Stürme.
Der elektrische Strom
fließt zäh dahin
und treibt keine Ganglienmühle.
Selbst der Schlaf ist traumlos
Probleme einfach ausgeknipst.
Pflanzenhafte Existenz:
eine selstame Form von echtem Glück.
Wenn doch die Sonne schiene!
Vielleicht liesse sich
ein Schmetterling auf mir nieder. 

Frühaufsteherhymnus

Früh aufstehen:
Der Gnade nah sein.
Der Tag liegt vor Dir wie die Zukunft selber.
Noch schweigt die Geschäftigkeit,
einzig die Vögel freuen sich laut,
als wüssten sie mehr von dem, was kommt.
Langsam brummt es um Dich herum, Autos und Busse, Türen schlagen.
Jeden Tag aufs Neue Evolution:
aus dem Schlamm in die Höhe.
Die Elenden aber sehen Licht
und sind mit den Tränen nicht mehr einsam.
Das frühe Licht blendet nicht,
es gewöhnt Dich.
Und dann das stille, alles übertönende, tägliche Spektakel:
Die Sonne.
Es könnte Gott selber sein, fällt Dir ein, der so kommt.
Und Freude ergreift Dich:
Das hier ist nicht die volle Wahrheit.
Es gibt noch einen Tag hinter allen Tagen,
und ein Dämmern,
hinter dem Herrlichkeit liegt und nicht die tägliche Mühsal.
Doch dem Dank wohnt aber der bittere Geschmack des Sterbenmüssens inne:
jeden Morgen aufs Neue mahnt der anbrechende Tag die kommende Nacht.
Still formt sich in mir ein verschämter Hymnus,
der loben will,
wo doch alles Grund zur Klage hat.
Am Ende gewinnt die Sonne:
ihr banales C-Dur trägt größere Wahrheit.
Das gleißende Gelb ist Licht vom Licht,
und segnend breitet der Auferstandene die wunden Hände:
Alles wird gut.

Theologisch-philosophisches Arioso logico, frech

Ich bin Christ, aber kein Kirchgänger.
Aha, soso, mhm.
Ich bin Fußballer, aber kein Spieler
Aha, soso, mhm
Ich bin Feuerwehrmann, aber ich lösche und rette nicht.
Aha, soso, mhm.
Man kann auch auf einem einsamen Waldspaziergang Gottesdienst feiern.
aha, soso, mhm,
Man kann auch Musik lieben, ohne sie zu hören oder zu kennen.
aha, sosos, mhm
Man kann auch Menschen kennen, ohne mit ihnen zu leben
aha, soso, mhm
Man kann auch Christ sein ohne Kreuz.
aha, soos, mhm
Man kann auch wählen gehen, ohne politische Meinung
aha, soso, mhm
Man kann auch duschen, ohne naß zu werden.
aha, soso, mhm
Man kann lernen, ohne zu üben
aha, soso, mhm
Ich kann auch glauben ohne Bibel
aha, soso, mhm
Ich  kann auch Recht sprechen ohne Gesetz
aha, soso, mhm
Ich kann auch Demokrat sein ohne Verfassung
aha, soso, mhm
Ich kann auch über einen Film reden, ohne die Handlung zu kennen
aha, soso, mhm

Ohne Logik  steckt das Leben
voller Überraschungen.

Advent. Invention zu drei Stimmen aus dem misstemperierten Klavier

Er kam.
Er ging.
Er ging hin.
Er kam um hinzugehen,
von denen alle weggehen.
Er ging.
Er ging weg,
wohin alle gehen
und bleiben.
Er kam.
Er kam wieder,
Von wo keiner wiederkommt.
Er kam zurück.
Er kam zurück zu denen, die von ihm gegangen sind.
Er blieb nicht.
Er ging.
Er ging zurück dahin woher
vor ihm noch niemand kam.
Er ging zu dem, von dem alles Kommen kommt.
Aus der Höhe in die Tiefe in den Abgrund
aus dem Abgrund
auf die Tiefe in die Höhe,
hohe Tiefe, tiefe Höhe
Abgrund am Abgrund
Fern/nah/ferner/näher/ganz fern/noch näher/weg.
Wir warten.
Wir warten,dass er kommt, wie er schon einmal kam,
als er zu denen ging, zu denen niemand ging
und zu denen ging, die von ihm gingen
und kam von dort,
wohin alle gehen
und bleiben.
Wir warten, dass er kommt,
wie er kam
ohne gehen.
Wir warten auf  bleiben.
Bleiben ohne warten auf kommen ohne gehen.
Wir bleiben im warten
bis er kommt
und bleibt.
Bleibt die Frage
warum er nicht blieb.