Sonntag, 10. Dezember 2017

gebrauchsfuge aus dem misstemperierten Klavier

Keiner braucht
was ich kann
keiner kann
was ich brauche
Keiner hört
was ich sage
keiner sagt
was ich höre
Jeder weiß
was ich brauche
aber ich sage euch
das höre ich nicht
ich brauche keinen
der weiß was ich brauche
bevor er hört
was ich kann
das ist
was ich brauche
einen der hört
was ich brauche
ich brauche gebraucht zu werden
als jemand der sagt was er hört
denn das kann ich
was keiner braucht
sagen


Samstag, 9. Dezember 2017

schnee

schnee. 
die poesie des himmels. 
gnädige verhüllung 
der schmutzigen wahrheit  
glanz der reinheit
kristallschaum.  

sein tod ist darum
besonders hässlich. 
es bleiben 
wie gebeine
ränder aus dreck.  

Freitag, 8. Dezember 2017

Nikolaus

Der Nikolaus
ist ein armer sack.
er wollte doch bloß fromm sein
(das hieß nämlich mal „nützlich“)
und nun ist er heilig:
kinderschreck ungesund
ein depp seiner selbst
neuerdings auch in stanniol
(noch nicht mal in echtem).


poetical correctness

Keine witze über den wörtersee
keine witze über den tittisee
und schon gar nicht über den
tittikackasee
kein pimmelreich und auch
keine reime auf kotze
liebe hiebe triebe
herz schmerz scherz
wächter verächter gelächter
am besten gar keine reime
oder gar keine verse
oder gar kein spaß
oder gleich tot sein.

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Ost-westliche Zugfahrt

Der zug rattert über die grenze
tödlich war sie
zaun und geschütz
das niemanden schützte
nichts zu spüren davon
kein ruck auf dem gleis
gänsehaut längst geglättet
die einzige sensation
ist das versiffte klo.
Grenzen sind giftig
man schießt an ihnen
auf die eigenen leute
die niemandes leute sind
außer
in grenzen

Dienstag, 5. Dezember 2017

Kaffekränzchen

Da wo kein grau ist
ist es unter farbe zu ahnen
auch zeigen die wachsenden ringe
unter gesunkenem busen
den spätsommer.
Da und dort kräuselt sich schon
die kummerhaut um die augen
verdeckt von leicht überschrägten gestellen
darunter ist schmerz zu vermuten
und die weibestrauer unverstandener liebe
wenn nicht gar echter und geistiger fäuste
doch holen kaffee und kuchen
und der ewig bei solchen sich zeigende
tröstende weinbrand
die matronigen zungen
aus der gruft
mädchengekecker und jenes
gurgelnde lachen, das auf zotiges weist
wecken längst begrabene lüste
Natürlich nerven sie schrecklich.
und könnten doch,
wüssten sie drum,
meines neides gewiss sein:
entzogene schwesternschaft
besiegelt in bitterer süße
von torte und latte macchiato.
Für einen moment
gibts keinen grund
den gatten zu morden.

alte liebe

Sei so
wie du bist
wenn du nicht bist
wie du bist
sei nicht so
wie du nicht bist
wenn du bist
wie du bist
Sei so
wie ich bin
wenn ich bin
wie du bist
wenn du nicht bist
wie du bist
Sei so wie ich
aber besser