Mittwoch, 4. Oktober 2017

reeller Nachtchoral

der gute mond geht gar nicht so stille
wir hören ihn nur nicht,
und der abendliche wald ruht nicht
er wirbelt vom gefrässigen getier.
die sternlein stehn auch nicht,
sie rasen mit unbändigem zorn
der nebel steigt auch nicht aus den wiesen
sie dünsten ihn würgend aus
und unser kranker nachbar
ist ein simulant

verschlossen

manche gedichte
sind so gebirgig
ohne sicheren tritt
stolpere ich von vers zu vers
auf scharfem grat
bis ich stürze
und das schlüsselbein bricht.

Rettungsflieger

ein hubschrauber klappert
zerteilt regen in staub
das schweigen gottes
füllt sein dröhnen
denn drinnen
stirbt wer

radio

wenn man bedenkt
dass die luft
gefüllt ist
mit schreiendem Unsinn

und Musik.

Dienstag, 3. Oktober 2017

Bäume

ich weiß genau, was sie treiben.
sie stehen so hölzern da,
schweigend
und rascheln mit ihren blättern
als wäre es der wind.
sie schmeißen um sich
mit ihren früchten
und geben
sich majestätisch
oder
knorrig
oder
den einsamen wolf
ihre schartige rinde macht eindruck
man denkt an zerfurchte schicksalsgesichter
unten aber
unter der krume
füßeln sie von wurzel zu wurzel
sie machen sich
mit ihren freunden
den ach so harmlosen pilzen
über den nackten affen
der sie so neidisch bewundert
lustig.
sie sind die herrscher der welt.

Montag, 2. Oktober 2017

Waffenkonversion (Verbaltherapie für ballernde Arschlöcher)

Sprechen Sie mir nach:
Maschenpistole
Marschierengewehr
Grandhandgranate
Schnellfeierwaffel
Atomatikgewähr
Selbstschutzanlage
Kusssischere Weste
Kühlfernrohr
Schlafschütze
Gehen Sie.
Kaufen Sie Kugeln,
soviel sie brauchen:
Erdbeer,Vanille, Schokolade.
Und träumen sie feucht
vom Amorlauf.

Sonntag, 1. Oktober 2017

Erntedank

wir pflügen und wir streuen
den samen auf das land
doch wachsen und gedeihen
haben wir längst aus gottes hand gerissen
denn die natur alleine
kann uns nicht nähren
nutella wächst nicht auf bäumen
und reis ist höchste kultur
erntedank ist immer auch
dank für menschliche kunst
es könnte ein fröhliches fest sein
wären wir ersättlich.